loading

 

Samstagabend, Zeit zum Feiern. Hier und da mal ein Schluck Bier, ein Kurzer, lachen, tanzen, Spaß haben, laute Musik und schon ist es 5 Uhr in der Früh. Jetzt noch eine Stunde heimfahren. Die jungen Leute merken erst jetzt beim Verlassen der Disco, wie müde sie wirklich sind. Im Auto schlafen alle schnell ein. Bis auf den Fahrer, der darf nicht und hat Mühe, sich auf das Geschehen auf der Straße zu konzentrieren…

Email:s.habenicht@lzg-bayern.de
Internet: www.disco-fieber.de
Tel: 0 89 / 54 40 73-2
Fax: 0 89 / 54 40 73-48

So geschieht es an fast jedem Wochenende auf Bayerns Straßen. Die oft tragischen Folgen werden den nicht unmittelbar Betroffenen nur sehr selten bewusst. Meist lesen sie davon am nächsten Tag in der Zeitung oder hören es in den Lokalnachrichten: „Wieder Disco-Unfall: Alkoholisierte Fahranfänger verursacht schweren Unfall; drei Verletze, eine Tote“ Die Schlagzeile löst kurze Betroffenheit aus, dann geht das Leben weiter wie vorher. Nur wenige stellen sich die Frage: „Warum…“. Die verletzten Insassen, die Eltern und Freunde der Verunglückten sowie die Rettungskräfte, die zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit stehen, sind diejenigen die sich mit dieser Frage immer und immer wieder auseinander setzen - ob sie wollen oder nicht.

Fast jeder Vierte (23 Prozent) der tödlich Verunglückten ist zwischen 18 und 25 Jahren jung. Jeder Tote und jeder Verletzter ist einer zuviel. Doch besonders im ländlich strukturierten Raum werden große Entfernungen zur nächsten Disco oder zur nächsten Party von den partyfreudigen Jugendlichen während der Woche und verstärkt an den Wochenenden gerne in Kauf genommen. Um auf den besten und angesagtesten Feten präsent zu sein, kann in den seltensten Fällen auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgegriffen werden. Das eigene Auto oder das des Freundes muss benutzt werden. Aber übermüdet und zu oft sogar mit Alkohol im Blut mit einem voll besetzten Auto unterwegs sein - ein hohes Risiko.

Ein aktueller Film muss her, der den Jugendlichen in ihrer Sprache erzählt, was Alkohol oder Unachtsamkeit am Steuer anrichten können. Die Idee für den Film kam von dem 21-jährigen Feuerwehrmann Fabian Kress aus der Schrobenhausen - der Heimatstadt der inzwischen bayernweit laufenden Aktion Disco-Fieber. Ihr wird der Film mit dem Titel „Warum…“ zur Verfügung gestellt. Zumal beide den gleichen Ansatz verfolgen. Nicht der erhobene Zeigefinger soll zur Aufklärung und Vorbeugung genutzt werden. Vielmehr sollen die jungen Leute emotional angesprochen werden, sich in ihrer Lebenswelt wieder erkennen und dort abgeholt werden, wo sie stehen. Nur so kann es gelingen, einen Denkprozess mit dem wünschenswerten Ergebnis – habt Spaß, trinkt ruhig etwas, aber fahrt dann nicht mehr selber - in Gang zu setzen.

Nach langer Suche fand Kress sachkundige Unterstützung für die Umsetzung seiner Idee zufällig direkt in Schrobenhausen. Der 23-jährige Medienprofi Johannes Bauer, der an einer privaten Münchner Filmakademie sein Regiestudium absolviert hat, war der perfekte Partner für das Projekt. Als wohlwollender Sponsor gerieten die beiden an die Bauer-Stiftung, die nach einer kurzen Vorstellung der Idee bereitwillig und unbürokratisch 1.500 Euro für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte.

Die Grundvoraussetzungen waren geschaffen. Nun wurde in unzähligen Stunden ein Drehbuch für den rund sechsminütigen Streifen erarbeitet. Immer wieder gab es Änderungen, Szenen wurden gestrichen und Verbesserungen eingebunden. Aus Kostengründen wurde die Filmkamera nur so kurz wie möglich, von Freitag bis einschließlich Sonntag, für das Drehwochenende ausgeliehen. In der kurzen Zeit musste alles im Kasten sein. Das stellte höchste Anforderungen an den Produktionsplan, den es zu schreiben galt.

Alles musste zur gleichen Zeit klappen. Hauptdarsteller und Filmcrew mit Kamera, Teleskoparm, Scheinwerfern und vielem mehr hatten zur Verfügung zu stehen. Ein demoliertes Unfallauto musste genauso her wie die noch fahrtüchtige Version des Modells. Die Straße, für die nächtlichen Dreharbeiten wurde gesucht: ruhig gelegen, dennoch kurvenreich, mit vereinzelten Bäumen. Eine Genehmigung für die Vollsperrung an zwei auf einander folgenden Tagen wurde beantragt. Eine Diskothek, in den Zeitplan passend, fanden die beiden Filmemacher in der Nachterlebniswelt Moospark. Die Stützpunktfeuerwehr der Stadt Schrobenhausen, das heimische BRK, Polizei, Notfallseelsorge und sogar das Team um den ADAC-Rettungshubschrauber aus Ingolstadt machten es möglich, unter fast realen Bedingungen zu filmen.

Als es am Freitag, 26. Mai, losging, stand allen Beteiligten die härteste Arbeit noch bevor. Um den gewünschten Effekt bei den Zuschauern später noch zu verstärken, wurde hauptsächlich nachts zwischen 19 und 4 Uhr gedreht. Bereits am ersten Tag der Dreharbeiten machte das schlechte und kalte Wetter dem Team sehr zu schaffen. Der Zeitplan drohte aus dem Ruder zu laufen. Ein hohes Maß an Durchhaltevermögen mussten die Hauptdarsteller nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera beweisen. Lange Umbauzeiten, theoretische Einweisungen, Schminken und vieles mehr beanspruchten die ehrenamtlichen Laiendarsteller.

Am darauf folgenden Samstag wurde der eigentliche Rettungseinsatz aufwändigst gedreht. Insgesamt waren an der Filmproduktion mehr als 60 freiwillige Helfer unbezahlt im Einsatz, die in 900 Mannstunden den Film zu einem einzigartigen Projekt reifen ließen. Die reine Drehzeit, an denen die Hauptdarsteller innerhalb von gerade mal drei Tage für den Film bereit standen, beläuft sich auf 24 Stunden. Die Stützpunktfeuerwehr Schrobenhausen trug neben den Produzenten und den Hauptdarstellen mit über 300 Mannstunden den Mamutteil während den Dreharbeiten.

Auch dabei folgt das Filmprojekt der vor fünf Jahren in Schrobenhausen geborenen Grundidee von Disco-Fieber. In dem Aktionskreis arbeiten alle ehrenamtlich mit. Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen nehmen sich eines Themas an, gewinnen andere für die Mitarbeit, die gebündelten Kräfte verfolgen ein Ziel. Der Erfolg gibt dem Konzept Recht: Die Zahl der Unfalltoten in der Gruppe der jungen Fahranfänger ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Dazu will auch der aufrüttelnde Film „Warum…“ beitragen. Er zeigt auf beeindruckende Art und Weise, wie eine nächtliche Discofahrt enden kann. Der Film verdeutlicht aber auch, dass es anders geht. Die Antwort lautet: 0% Alkohol für den Fahrer! Denn: „Wir brauchen Dich auch morgen.“ Eine Auszeichnung erhielt der Film bereits bei dem bayerischen Gesundheits- und Präventionstag in Erlangen, wo Gesundheitsminister Werner Schnappauf den stolzen Filmemachern den 3. Platz verkündete.

Veröffentlicht wird der Film mit einem speziellen Extra, welches die Hintergründe des Films und die Umstände der Dreharbeiten zeigt. Die DVD wird unter anderem an Schulen verschickt. Verein, Betriebe, öffentliche Einrichtungen sowie Privatpersonen können den Film kostenlos bei der Aktion Disco-Fieber über die Landeszentrale für Gesundheit anfordern. Der Film wird bayernweit zur Prävention von Disco-Unfällen eingesetzt werden.