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Mädelspower in der Jugendfeuerwehr

Wir waren sofort Feuer und Flamme", erzählt eine der beiden 17-jährigen Schrobenhausenerinnen strahlend und nimmt damit offenbar der anderen die Worte aus dem Mund. Zwischen Feuerwehrschläuchen und Strahlrohren fühlen sich Julia Kast und Sarah Mader wohl. Seit einigen Jahren sind die Mädels nun schon in der Schrobenhausener Jugendfeuerwehr aktiv. Jeden zweiten Montag gilt es dann für den Ernstfall zu proben. Ob Saugschlauchkuppeln, Löschangriff oder andere Truppaufgaben - Teamgeist und Kameradschaft werden in der Feuerwehr groß geschrieben. Und gerade weil jeder einzelne in die Lage kommen könnte, auf die Feuerwehr angewiesen zu sein, ist es so wichtig, dass es auch in Zukunft Menschen geben wird, die sich ehrenamtlich dazu bereit erklären, rund um die Uhr Hilfe zu leisten. Und da ist es ganz egal, ob Junge oder Mädchen, denn auch die Mädels haben das Zeug zu Lebensrettern.


Die Anerkennung für Feuerwehren ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Gerade Zeiten, in denen man mit langen und trockenen Hitzeperioden und den daraus resultierenden Bränden zu tun hat, zeigen, wie wichtig die Feuerwehr und vor allem auch der Nachwuchs ist. In der Jugendfeuerwehr sind grundsätzlich Mädchen und Jungs zwischen 12 und 18 Jahren. Den Feuerwehranwärtern werden unter anderem Grundtätigkeiten im Löscheinsatz und der technischen Hilfeleistung beigebracht. Auch theoretische Einheiten gehören zu den Übungsinhalten der Jugendlichen und dienen ebenfalls zur Vorbereitung auf den späteren aktiven Dienst.

 So auch bei Julia Kast und Sarah Mader. Julia berichtet, dass sie vor knapp vier Jahren durch den Girls Day zur Jugendfeuerwehr gekommen ist. An diesem Tag dürfen Mädchen in Berufe schnuppern, die eher männerdominiert sind. "Mich haben die vielen verschiedenen Tätigkeitsbereiche und der Teamgeist in der Berufsfeuerwehr einfach total beeindruckt." Auch Sarah, die nun seit fast zwei Jahren Mitglied ist, hat noch keinen einzigen Tag als Nachwuchsfeuerwehrlerin bereut. "Ich wurde durch meine Freundinnen auf die Jugendfeuerwehr in Schrobenhausen aufmerksam. In der Schule haben sie immer total von den Jugendübungen und den Ausflügen geschwärmt. Da hatte ich quasi gar keine andere Wahl, als mir das Ganze einmal anzusehen. Und auch ich war sofort begeistert", erzählt die Schrobenhausenerin mit leuchtenden Augen.

 

Auf die Frage hin, wie es denn mit der Frauenquote in der Jugendfeuerwehr aussehe, schmunzeln beide. "Damals waren wir Mädels nur zu viert und heute sind wir schon über ein Drittel." Julia bemerkt zudem, dass der Start in der Jugendfeuerwehr ein wenig holprig gewesen sei, da sie ihr Können erst vor den Jungs unter Beweis stellen mussten, um als gleichgestellte Teammitglieder wahrgenommen zu werden. Für Sarah jedoch haben die ersten Jugendübungen anders ausgesehen. "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dazuzugehören, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass meine Freundinnen bereits dafür gesorgt hatten, dass Mädchen in der Jugendfeuerwehr selbstverständlich sind", so die 17-Jährige glücklich. Außerdem gebe es laut den Schülerinnen kaum Unterschiede zwischen den Aufgaben, die Jungs oder Mädchen erledigen. "Manchmal kommt es zwar vor, dass Geräte zu schwer für uns sind, aber dann sind stärkere Jungs sofort zur Stelle und helfen", so Julia. Andersherum gebe es durchaus auch Tätigkeiten, die von Mädchen lieber erledigt werden. Scherzend erwähnt Sarah in diesem Zusammenhang: "Fingerspitzengefühl, was zum Beispiel bei Knoten von Vorteil ist, liegt ganz eindeutig uns besser." Die Mädels sind der Meinung, dass es gar keine Rolle spiele, ob Junge oder Mädchen. Feuerwehr ist Feuerwehr und dort halten alle zusammen.

Der Terminkalender eines Feuerwehranwärters sei gut gefüllt, wie Sarah und Julia berichten. Ob Jugendübungen, Monatsübungen, Ausflüge, Wettkämpfe oder andere Veranstaltungen - in der Jugendfeuerwehr wird einem nicht langweilig. Besonders die Ausflüge und Wettkämpfe haben es den beiden angetan. "Durch solche Veranstaltungen wächst man einfach viel mehr mit den Teamkollegen zusammen und kann außerdem auch Kontakte mit Jugendlichen aus anderen Feuerwehren knüpfen - immerhin verbringen wir an diesen Tagen einige Stunden miteinander, essen alle zusammen und übernachten sogar manchmal gemeinsam in großen Zelten", erklärt Julia. Auch Sarah findet, dass sich die Teilnahme an Wettbewerben und Co. auf jeden Fall lohnt und erwähnt den CTIF-Wettbewerb (das CTIF ist das Internationale Technische Komitee für vorbeugenden Brandschutz und Feuerlöschwesen), der vor drei Jahren in Schrobenhausen stattgefunden hat. Alle zwei Jahre kommen Jugendliche aus ganz Bayern und sogar aus Teilen Österreichs zusammen, um ihr Können zu präsentieren. Der CTIF geht über zwei bis drei Tage und fordert die jungen Feuerwehrler durch einen Mix aus feuerwehrtechnischen und sportlichen Aufgabengebieten, die sie als Gruppe bewältigen müssen. "Letztes Jahr waren wir in der Nähe von Nürnberg zu Gast und haben dafür bereits Monate vorher begonnen zu trainieren", so Sarah. Und dieser Einsatz hat sich schon allzu oft ausgezahlt: "Wenn man dann mit einem Pokal nach Hause kommt, macht das natürlich stolz."

Bei solchen Wettkämpfen und Abzeichen kommt es aber vor allem auf das Team an, und das stimmt in Schrobenhausen, finden Julia und Sarah. Da die beiden jedoch schon 17 Jahre alt sind, werden die Schülerinnen in weniger als einem Jahr in die aktive Mannschaft der Schrobenhausener Feuerwehr wechseln. "Eigentlich freue ich mich darauf, da wir dann endlich uneingeschränkt bei Einsätzen mitfahren und mithelfen dürfen", sagt Julia. Die zwei Mädels sind aber auch ein wenig wehmütig, da ihnen die ganzen Wettbewerbe und Ausflüge in der Jugendfeuerwehr fehlen werden. "Natürlich sind Einsätze auch mit vielen Gefahren verbunden, weshalb wir großen Respekt vor unseren zukünftigen Aufgaben haben, jedoch wurden wir in den letzten Jahren gut auf den Ernstfall vorbereitet", fügt Sarah hinzu. Erwähnenswert sei hier wohl der 24-Stunden-Tag, so die beiden Mädels. Die Feuerwehranwärter verbringen dort 24 Stunden in der Feuerwehr und erleben so hautnah wie es sich anfühlt, ständig auf Bereitschaft zu sein. Sobald die Sirene ertönt, gilt es für die Jugendlichen, keine Zeit mehr zu verlieren: schnell in die Umkleiden, die Schutzausrüstung grob übergestreift, ab in die Feuerwehrautos und auf zum inszenierten Einsatz. "Da kann es auch schon mal vorkommen, dass der Alarm um halb sechs in der Früh geht", wie Julia grinsend vom bisher letzten 24-Stunden-Tag berichtet.

Als die finale Frage aufkommt, ob sie sich wieder dafür entscheiden würden, in die Jugendfeuerwehr einzutreten, entgegnen die beiden wie aus der Pistole geschossen "Auf jeden Fall, die Erfahrungen, die wir bereits gesammelt haben, möchten wir nicht mehr missen". Es kommt laut Sarah und Julia außerdem in jeder Situation gut an, wenn andere von ihrem Dasein als Jugendfeuerwehrlerinnen mitbekommen. "Egal ob von unseren Eltern, von unseren Freunden oder von Lehrern in der Schule - wir ernten immer vollsten Respekt für unser freiwilliges Engagement", schildert Sarah stolz.

 Was dennoch so manche Mädchen daran hindern könnte, den Schritt in die Jugendfeuerwehr zu wagen, können sich die beiden nur so erklären: "In den meisten Köpfen ist wohl immer noch das Bild von Männern in der Feuerwehr verankert, die das Löschen von Bränden oder das Bergen von Personen nach einem Autounfall mit schweren Geräten übernehmen." Julia und Sarah sind allerdings der beste Beweis dafür, dass diese Vorstellung nicht mehr zeitgemäß ist. "Wer wie wir gerne im Team arbeitet und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sucht, soll auf jeden Fall mal vorbeischauen. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied - egal ob Junge oder Mädchen." Es kann schließlich nicht jeder von sich behaupten, dass er ein Hobby hat, bei dem er später Leben rettet.

Quelle: Schrobenhausener Zeitung

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